Lagerbedingungen nach DIN 7716 und BS 3574.
Die meisten vulkanisierten Gummi-Produkte tendieren dazu, ihre physikalischen Eigenschaften während der Einlagerung zu verändern. Sie unterliegen einer gewissen Nichtverwendbarkeit wegen außergewöhnlicher Verhärtung, Weicherwerden, Rissbildungen oder anderen Veränderungen. Derartige Veränderungen sind abhängig vom Einfluss von Sauerstoff, Ozon, Licht, Wärme und/oder Feuchtigkeit. Diese ungünstigen Einflüsse sollten durch sorgfältiges Einhalten der Lagerbedingungen vermieden werden.

Die nachfolgenden Empfehlungen geben Aufschluss über die bestmöglichen Lagerbedingungen von vulkanisierten Gummi-Produkten aller Formgebungen.

1.  Temperatur
Die Temperatur im Lagerraum sollte +25°C nicht übersteigen. Der Einfluss von niedrigen Temperaturen ist auf die Dauer nicht schädlich für Gummi-Artikel. Wenn Gummi-Artikel bei Minus-Temperaturen vom Lager genommen werden, sei es zum Verbrauch oder zur Kontrolle, sollten sie auf ca. +20°C angewärmt werden, bevor sie benutzt werden.

2.  Feuchtigkeit
Die optimale Feuchtigkeit sollte durchschnittlich bei 65% in staubfreier Atmosphäre sein.

3.  Licht
Gummi-Artikel sollten vor direkter Sonneneinstrahlung und starkem Kunstlicht mit hohem ultravioletten Anteil geschützt werden. Soweit Gummi-Artikel nicht in undurchsichtige Behälter verpackt sind, ist es notwendig, alle Fenster des Lagerraumes mit roter oder oranger Beschichtung zu versehen.

4.  Sauerstoff-Ozon
Wenn möglich, sollten vulkanisierte Gummi-Produkte durch gute Außenverpackung, z.B. Einlagerung in luftdichten Kartons oder ähnlichem, vor Umluft geschützt werden. Dieses ist besonders notwendig bei Gummi-Artikeln mit großem Volumen und großer Oberfläche, z.B. bei Membranen. Da Ozon Gummi besonders angreift, sollten die Lagerräume keinerlei Einrichtungen enthalten, die elektrische Funken oder elektrische Entladungen von sich geben, wie z.B. elektrische Hochspannungsgeräte oder Elektromotoren.

5.   Verformung
Wenn möglich, sollten Gummi-Produkte unter spannungsfreien Bedingungen gelagert werden, frei von Druck, Auslängung oder anderen Deformationen. Unerlässliche Verformung sollte auf ein Minimum reduziert werden, indem man die Artikel flach lagert und ein Aufhängen oder Eindrücken vermeidet, weil derartige Deformationen zu Zerstörung und Dimensions- veränderung führen können. Am besten werden Gummi- Produkte unter spannungsfreier Bedingung in ihrer Originalverpackung gelagert.

6.  Kontakt mit flüssigen und halbflüssigen Materialien
Gummi-Artikel sollten während der Lagerung weder mit flüssigen noch mit halbflüssigen Materialien in Kontakt kommen, speziell nicht mit Lösungsmitteln, Ölen oder Fetten, es sei denn, sie wurden so original vom Hersteller verpackt.

7.  Kontakt mit Metallen
Metalle wie Mangan, Stahl und Kupfer sowie Kupferverbindungen können einen zerstörenden Einfluss auf Gummi-Produkte haben, wenn diese mit den genannten Metallen in direkten Kontakt kommen. Schutz vor diesen Metallen kann durch einfache Zwischenlagen aus Papier, Pappe, Polyäthylen, Zellophan oder ähnlichem erfolgen.

8.  Kontakt mit Nichtmetallen
Kontakt mit anderen Gummisorten, PVC oder Kreosot sollte vermieden werden.

9.  Lagerumschlag
Gummi-Produkte sollten möglichst kurzzeitig gelagert werden. Wenn möglich, sollte ein strenges Umschlag verfahren des Lagers nach Alter praktiziert werden.

10.  Reinigung
Seife und Wasser sowie Methylalkohol sind die am wenigsten schädlichen Reinigungsmittel. Organische Lösungsmittel wie Trichloräthylen, Tetrachlorkohlenstoffe oder Petroleum sollten nicht verwendet werden. Alle Teile müssen nach der Säuberung bei Raumtemperatur vor Gebrauch getrocknet werden.

11.  Lagerzeit im Regal
Das verwendete Polymer jeder Gummimischung begrenzt die zu erwartende Lebensdauer von Gummi- Produkten. Eine ungefähre Lagerzeit im Regal kann aus der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Eine sorgfältige Kontrolle auf folgende Fehlerquellen sollte durchgeführt werden, bevor eingelagerte Dichtungen eingebaut werden:

a. auf mechanische Beschädigung
b. auf permanente Veränderungen (Gummi wird härter durch niedrige Temperaturen und sollte vor der Prüfung angewärmt werden)
c. auf Haarrisse oder Oberflächenveränderungen, wenn die Artikel aufgehängt waren
d. auf Erweichung oder Oberflächenverhärtung

Produkte mit dünnem Querschnitt (weniger als 1,6 mm / 1/16 Zoll) sind in Bezug auf die Lagerdauer häufig anfälliger.

Das sogenannte Ausblühen ist für die Funktion der Dichtung nicht relevant. Die Ausnahme ist der Einsatz in der Lebensmittelindustrie, da eine Kontaminierung möglich ist.